Konflikt zwischen Wall Street und Krypto
Eine scharfe Beleidigung des JPMorgan Chase-CEOs Jamie Dimon verdeutlicht einen wachsenden Machtkampf zwischen Wall Street und dem einflussreichsten Krypto-Befürworter in den USA. Während eines Kaffeegesprächs beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der vergangenen Woche sprach Coinbase-CEO Brian Armstrong mit dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair, als Dimon abrupt dazwischenredete. Mit dem Finger auf Armstrong zeigend, sagte der langjährige Krypto-Skeptiker unverblümt:
„Du redest Quatsch“
, berichtete das Wall Street Journal.
Vorwürfe und Spannungen
Dimon beschuldigte Armstrong, die Öffentlichkeit in jüngsten Fernsehauftritten irrezuführen, in denen der Coinbase-Chef behauptete, Banken würden lobbyieren, um krypto-freundliche Gesetzgebung zu sabotieren. Diese Konfrontation unterstrich die sich zuspitzenden Spannungen, während digitale Vermögenswerte zunehmend in die Mainstream-Finanzwelt vordringen.
Während große Banken Krypto vorsichtig für Handel und Zahlungen angenommen haben, wehren sie sich vehement gegen das, was sie als existenzielle Bedrohung ansehen: Krypto-Unternehmen, die Erträge anbieten, die Verbraucher-Einlagen von traditionellen Banken abziehen könnten.
Der Clarity Act und die Banken
Im Zentrum des Konflikts steht der vorgeschlagene Clarity Act, ein Gesetz, das regeln würde, wie digitale Vermögenswerte in den USA reguliert werden. Banken argumentieren, dass die sogenannten „Belohnungen“, die von Krypto-Börsen für das Halten von Stablecoins gezahlt werden – oft um die 3,5 % – wie verzinsliche Konten funktionieren, jedoch ohne die gleiche regulatorische Aufsicht, der Banken unterliegen.
Krypto-Unternehmen entgegnen, dass der Wettbewerb die Gewinner bestimmen sollte und dass Banken frei sind, die Zinsen zu erhöhen oder selbst ins Stablecoin-Geschäft einzusteigen.
Armstrongs Einfluss und die Zukunft der Regulierung
Armstrong, 43, hat sich als die lauteste politische Stimme der Krypto-Welt etabliert. Als CEO des etwa 55 Milliarden Dollar schweren Unternehmens Coinbase hat er den Gesetzgebern gewarnt, dass ein schlechtes Gesetz seinem Unternehmen Milliarden kosten könnte, und hat Bereitschaft gezeigt, von Gesetzgebungen abzusehen, die er als feindlich ansieht. Sein öffentlicher Druck half, eine kürzliche Abstimmung im Senat zu stoppen, was viele in Washington überraschte.
Der Streit hat die Debatte als „Coinbase gegen die Banken“ neu formuliert, anstatt als Krypto gegen die Finanzwelt im Allgemeinen, sagen Analysten. Da das Weiße Haus plant, Bank- und Krypto-Führungskräfte zu Gesprächen zusammenzubringen, und Armstrongs Unterstützung als entscheidend angesehen wird, könnte das Ergebnis Einlagen, Zahlungen – und wer sie kontrolliert – im digitalen Zeitalter neu definieren.