Die Debatte um Bitcoin und Demokratie
Die erneute Debatte um Adam Back und Satoshi Nakamoto hat sich von Identitätsspekulationen zu einer grundlegenden Frage gewandelt: Funktioniert Bitcoin als Demokratie? Auslöser war ein öffentlicher Austausch über die Bedeutung von „one-CPU-one-vote“ im Bitcoin-Whitepaper von 2008. Kritiker argumentieren, dass dieser Ausdruck eine Mehrheitsregel impliziert, die im Design des Protokolls verankert ist. Back weist diese Sichtweise jedoch entschieden zurück.
Bitcoin als technisches Konsensnetzwerk
Für ihn funktioniert Bitcoin (BTC) nicht als politisches Abstimmungssystem, sondern als technisches Konsensnetzwerk. In seiner Erklärung ist der Proof of Work kein Stimmzettel, sondern ein Mechanismus zur Lösung konkurrierender Blockhistorien unter byzantinischen Bedingungen. Die Hashpower bestimmt, welche gültige Kette sich verlängert, doch die Gültigkeit selbst wird von Knoten definiert, die die Protokollregeln durchsetzen. Miner können diese Regeln nicht einseitig neu definieren, da Blöcke, die den Konsens verletzen, unabhängig von ihrem Rechengewicht abgelehnt werden.
Bitcoin Improvement Proposal 110 (BIP-110)
Die Unterscheidung wird besonders deutlich, wenn man das Bitcoin Improvement Proposal 110 (BIP-110) betrachtet, das vorschlägt, die „OP_RETURN“-Grenzen vorübergehend zu verschärfen, um nicht-finanzielle Daten wie Ordinals-Inschriften einzuschränken. Unabhängig von den Inhalten des Papiers ist Bitcoin eindeutig keine Demokratie, wenn es um Änderungen des Nakamoto-Konsenses geht. Der Proof of Work, auf den sich dieses Zitat bezieht, funktioniert als Eins-Hash-eine „Stimme“-System, das als Tiebreaker für byzantinische Vereinbarungen zur Lösung des BGP-Problems mit anonymen Teilnehmern dient.
User-Activated Soft Fork
Der Vorschlag basiert auf einem User-Activated Soft Fork, was bedeutet, dass Knotenbetreiber neue Validierungsregeln übernehmen würden, ohne dass eine ausdrückliche Signalisierung der Miner-Mehrheit erforderlich ist. Dieser Mechanismus stellt die zentrale Behauptung auf die Probe: In Bitcoin liegt die Durchsetzungsgewalt bei den validierenden Knoten und nicht bei einer einfachen Mehrheit der Hashpower.
Kritik an BIP-110
Back hat BIP-110 zuvor kritisiert, trotz seiner früheren Unterstützung zur Begrenzung der Blockchain-Überlastung. Er argumentiert, dass umstrittene Regeländerungen, die ohne breite Übereinstimmung aktiviert werden, das Risiko einer Netzwerkfragmentierung bergen und die Stabilität von Bitcoin als monetäres System untergraben. Die aktuellen Unterstützungsniveaus unter öffentlich sichtbaren Knoten bleiben begrenzt.
Fazit
So wie es aussieht, passt Bitcoin nicht in die Beschreibung einer Demokratie, wenn Demokratie bedeutet, dass die Mehrheitsregel die Präferenzen der Minderheit überstimmt. Stattdessen funktioniert Bitcoin als ein regelbasiertes Protokoll, bei dem Konsens aus Validierung und wirtschaftlicher Koordination entsteht, nicht aus Abstimmungen.