Einführung des digitalen Euro
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Vereinbarungen mit der European Card Payment Cooperation (ECPC), nexo und der Berlin Group unterzeichnet, um bestehende offene Zahlungsstandards zu nutzen. Ziel ist es, die Integrationskosten für den digitalen Euro zu senken und den Weg für einen Pilotversuch im Jahr 2027 sowie einen möglichen Start im Jahr 2029 zu ebnen.
Kooperation und Standards
Im Rahmen dieser Kooperation werden die genannten Organisationen ihre Rahmenbedingungen anpassen, sodass Zahlungsanbieter digitale Euro-Transaktionen unterstützen können, ohne kostspielige, maßgeschneiderte Upgrades für Verkaufsstellen-Terminals und Online-Systeme durchführen zu müssen. Die relevanten Standards umfassen:
- Das CPACE-Protokoll der ECPC für kontaktlose Zahlungen
- Die auf ISO 20022 basierenden Akzeptanzspezifikationen von nexo
- Die offenen Schnittstellen der Berlin Group für Konto-zu-Konto- und kartenbasierte Zahlungen
Durch die Nutzung dieser bestehenden Infrastrukturen möchte die EZB „eine europäische, kostenlose Alternative zu den derzeit dominierenden proprietären Standards“ anbieten, die von globalen Kartensystemen und digitalen Geldbörsen geprägt sind, so das Vorstandsmitglied Piero Cipollone.
„Die offenen Standards für den digitalen Euro werden es neuen europäischen Anbietern erleichtern, in den Markt einzutreten, und europäischen Zahlungsdienstleistern sowie Händlern die Sicherheit geben, die sie benötigen, um zu investieren, zu innovieren und im Euro-Raum wettbewerbsfähig zu sein“, erklärte Cipollone weiter.
Kosteneffizienz und politische Unterstützung
Die EZB argumentiert, dass die Wiederverwendung offener Standards die Kosten für Systeme und Implementierungen minimieren sollte, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem Banken mit IT-Kosten in Milliardenhöhe konfrontiert sind, um sich an eine potenzielle digitale Zentralbankwährung anzupassen. Frühere Schätzungen, die von Reuters zitiert wurden, deuteten darauf hin, dass die Einführung eines digitalen Euros die europäischen Banken zwischen 4 und 6 Milliarden Euro über vier Jahre kosten könnte, was etwa 3 % ihrer jährlichen IT-Wartungsbudgets entspricht.
Dies verdeutlicht, warum die Vermeidung maßgeschneiderter Lösungen für politische Unterstützung wichtig ist.
Reaktionen der Beteiligten
Ana Grade, CEO der ECPC, bezeichnete den Deal als „einen großen Schritt“ für den CPACE-Standard ihres Konsortiums und betonte, dass er „die Sichtbarkeit und Marktpräsenz des Standards im Rahmen des digitalen Euro-Projekts weiter erhöhen“ werde. Jean-Philippe Joliveau, Vorsitzender der nexo standards, fügte hinzu, dass die Zusammenarbeit „die Position der nexo standards als internationale und kollaborative Normungsstelle für die Zahlungsakzeptanz bestätigt, die die Interoperabilität im Zahlungsökosystem unterstützt“.
Regulierung und Zukunftsausblick
Die Vereinbarungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Gesetzgeber daran arbeiten, die Regulierung des digitalen Euros abzuschließen, die voraussichtlich 2026 verabschiedet wird und umfassende Investitionen von Zahlungsunternehmen freisetzen wird. Die EZB hat angekündigt, die vollständigen technischen Standards bis zum Sommer zu veröffentlichen. Ein 12-monatiges Pilotprojekt, das sich auf Person-zu-Person- und Verkaufsstellen-Zahlungen konzentriert, ist für die zweite Hälfte von 2027 geplant, mit einer möglichen Ausgabe-Bereitschaft um 2029, sofern der rechtliche Rahmen genehmigt wird.
Beamte betrachten den digitalen Euro als ein Mittel zur Stärkung der monetären Souveränität Europas und zur Verringerung der Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsriesen wie Visa, Mastercard und PayPal. Gleichzeitig soll Händlern ein kostengünstiges, öffentlich unterstütztes Zahlungsangebot neben Bargeld und Bankeinlagen zur Verfügung gestellt werden.
„Diese Partnerschaft zeigt unser starkes Engagement, sicherzustellen, dass der digitale Euro mit bestehenden europäischen Standards funktioniert, die auch vom privaten Sektor genutzt werden können“, sagte Cipollone und betonte, dass eine frühzeitige Standardisierung der Schlüssel für einen reibungslosen Rollout sei.