Kritik am Crypto Clarity Act
Der Redaktionsausschuss des Wall Street Journal hat das vom Senat vorgeschlagene Crypto Clarity Act scharf kritisiert. Zwar erkennt der Ausschuss an, dass die Gesetzgebung der Kryptowährungsbranche die lang ersehnte regulatorische Klarheit bieten könnte, jedoch weist er auch darauf hin, dass sie Bestimmungen enthält, die potenziell neue Risiken für das US-Finanzsystem einführen könnten.
In einem am 4. August veröffentlichten Editorial wird festgestellt, dass der Krypto-Sektor bislang in einer regulatorischen Grauzone operiert hat.
Gleichzeitig lobt der Ausschuss das Gesetz für die Schaffung klarerer Regeln, die digitale Vermögenswerte, die von der Securities and Exchange Commission reguliert werden, von denen unterscheiden, die unter die Commodity Futures Trading Commission fallen.
Rechtliche Sicherheit und Bedenken
Laut dem Editorial würde das Crypto Clarity Act rechtliche Sicherheit für Unternehmen, Investoren und Banken bieten und gleichzeitig eine breitere Akzeptanz von tokenisierten Wertpapieren ermöglichen. Der Ausschuss argumentiert jedoch, dass die Gesetzgebung vor ihrer endgültigen Verabschiedung überarbeitet werden sollte.
Das Editorial behauptet, dass das Gesetz ein Schlupfloch schafft, das es Krypto-Börsen ermöglichen würde, „Belohnungen“ an Stablecoin-Inhaber anzubieten, trotz des Verbots des GENIUS Act, das Emittenten das Zahlen von Zinsen untersagt.
Der Ausschuss warnt zudem, dass solche Anreize Einleger dazu ermutigen könnten, Gelder aus traditionellen Banken abzuziehen.
Bedenken hinsichtlich Geldwäsche und Identifizierung
Des Weiteren äußert das Editorial Bedenken hinsichtlich der Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und zur Identifizierung von Kunden (KYC). Die Befreiung bestimmter dezentraler Netzwerke von diesen Regeln könnte Möglichkeiten für illegale Finanzierungen schaffen.
Das Editorial schließt mit der Aufforderung an die Gesetzgeber, die Formulierungen zu verschärfen, um diese wahrgenommenen Schlupflöcher zu schließen, bevor sie die Gesetzgebung auf den Schreibtisch von Präsident Donald Trump senden.
Reaktionen aus der Krypto-Community
Erwartungsgemäß wurde der Meinungsbeitrag von Krypto-Persönlichkeiten scharf kritisiert. Neeraj Agrawal, CEO der Krypto-Interessengruppe DeFi Education Fund, wies die Charakterisierung dezentraler Netzwerke im Editorial zurück:
„Das ist völlig falsch. Es gibt keinen Betreiber. Das ist der Punkt,“ schrieb Agrawal auf X.
Ji Kim, CEO der Blockchain Association, erklärte, der Artikel sei „voller faktischer und rechtlicher Ungenauigkeiten“ und versprach eine detaillierte Widerlegung. Anthony Scaramucci, Gründer von SkyBridge Capital, beschuldigte die Bankenlobby, einen „Last-Minute-Versuch zu unternehmen, um die Dinge zu verzögern.“ Das Editorial erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem republikanische Senatoren versuchen, das Crypto Clarity Act vor der Augustpause zu verabschieden.