Kritik an KYC-Praktiken in der Krypto-Industrie
Der On-Chain-Ermittler ZachXBT hat die Know Your Customer (KYC)-Praktiken in der Krypto-Industrie scharf kritisiert und bezeichnet sie als eine der am wenigsten nützlichen Datenarten für Ermittlungen. Er äußerte, dass ihn das Problem so weit treiben könnte, dass er beginnt, On-Chain-Methoden zur Vermeidung übermäßiger Überwachung zu veröffentlichen.
Laut ZachXBT kommt KYC oft den Angreifern zugute, anstatt den Nutzern, insbesondere wenn ein Unternehmen gehackt wird und dessen Management keine rechtliche Verantwortung für den Diebstahl von Kundengeldern trägt. Zudem stellte er in Frage, warum Regierungen die Menschen effektiv zwingen, 100 Dollar auf dem Schwarzmarkt zu zahlen, nur um Zugang zu grundlegender Privatsphäre zu erhalten.
Reaktionen und Bedenken
ZachXBTs Kommentare erfolgten als Reaktion auf einen Beitrag des ShapeShift-Gründers Erik Voorhees, der warnte, dass KYC bald sogar für die Nutzung eines Computers erforderlich sein könnte. Voorhees‘ Bemerkung spiegelt wachsende Bedenken über die Verbreitung der obligatorischen Online-Identifikation wider.
Er teilte auch einen Beitrag von Matthew Green, einem Kryptographie-Professor an der Johns Hopkins University. Green erklärte, dass die Altersverifikation schnell Teil nahezu jedes neuen Regulierungsvorschlags werden könnte. Seiner Meinung nach geht es bei diesem Thema nicht wirklich um das Alter, sondern um die Identität.
„Regierungen und Plattformen bauen unter dem Vorwand, Minderjährige zu schützen, eine Infrastruktur auf, die letztendlich den echten Namen einer Person mit ihrer Online-Aktivität verknüpfen könnte.“
Zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen
Green beschrieb ein Szenario, in dem das System schrittweise eingeführt werden könnte. Zunächst würde eine Altersverifikation für den Zugang zu bestimmten Arten von Inhalten eingeführt. Frühe Systeme würden Identifikationsdokumente sammeln, während einige Technologien zur Wahrung der Privatsphäre genutzt würden.
Dann, warnte Green, wäre die nächste Frage, unter welchen Bedingungen Strafverfolgungsbehörden auf die gesammelten Daten zugreifen könnten und wie anonyme Website-Aktivitäten mit einer echten Identität verknüpft werden könnten. Seiner Ansicht nach würde dies erfordern, dass Privatsphäre-Technologien so angepasst werden, dass sie die echte Identität eines Nutzers jedes Mal, wenn er eine Seite besucht, treuhänderisch halten.
Der Zugang zu diesen Daten könnte laut Green zunächst einen Durchsuchungsbefehl erfordern, dann auf Anfrage verfügbar werden und schließlich in Massenscanning-Systeme integriert werden. Der Kryptograph argumentierte jedoch, dass die erklärten Ziele, Grooming und Kinderpornografie zu bekämpfen, nicht erreicht würden, da solche Maßnahmen historisch gesehen diese Schäden nicht verringert haben.